Ich habe kürzlich auf einem englischsprachigen Blog einen sehr interessanten Artikel gelesen. Den besten seit langem. Sein Titel: „Your 12 good years“. Auf Deutsch: „Deine 12 guten Jahre“. Der Autor Dan Haylett hat diesen Artikel auf seinem Blog https://www.humansvsretirement.com/ veröffentlicht. Er schreibt über die psychologische und emotionale Themen für Menschen im Ruhestand. Es ist ihm ein Anliegen, dass auch Ruheständler Freude und Sinn im Leben erfahren. Mit dem Artikel „Your 12 good years“ richtet er sich an Menschen, die kurz vor ihrem Ruhestand stehen oder sich bereits im Ruhestand befinden. Diese möchte er wachrütteln, die beste Zeit ihres Ruhestandes zu nutzen und nicht mit sinnlosen Dingen zu vergeuden. Er geht dabei von der Annahme aus, dass ein gesunder Mensch etwa ab seinem sechzigsten Lebensjahr noch 12 Jahre Zeit hat, um das Leben in vollen Zügen zu genießen. Bis zu ihrem 72. Lebensjahr sind die meisten noch so fit, dass sie fast alles tun können, was sie sich wünschen. Große Fernreisen unternehmen, Sport treiben, Abenteuer erleben, auf dem Jakobsweg pilgern. Auch danach sind den meisten Menschen noch viele Dinge möglich. Aber Flexibilität und Mobilität lassen spürbar nach.

Wohlgemerkt: Es geht um die aktiven Jahre, die einem noch bleiben, nicht um die Lebenserwartung. Vielleicht verschiebt sich diese aktive Lebenszeit auch noch ein bisschen nach hinten. Von 62 bis 74 vielleicht. Es kann auch gut sein, dass die Spanne bei einem Menschen länger dauert, der immer Sport getrieben und gesund gelebt hat. Dann werden mit etwas Glück aus deinen 12 guten Jahren die 14, 15 oder 16 guten Jahre. Aber irgendwann kommt bei jedem Menschen der Zeitpunkt, ab dem gewisse Dinge nicht mehr möglich sind. Weite Flugreisen werden dann zur Qual und selbst ein Spaziergang durch die Stadt wird dann zur sportlichen Herausforderung. Die Fernwanderung, die man schon immer machen wollte, geht dann gar nicht mehr. Vielleicht wirst du 80, 90 oder hundert Jahre alt. Du kannst das Leben dann immer noch genießen. Aber halt mit Einschränkungen.

So gelingt der perfekte Einstieg in den Ruhestand

Deshalb der Appell des Autors: Tue jetzt, was du schon immer tun wolltest. Schiebe es nicht auf die lange Bank. Nach den aktuellen statistischen Daten liegt bei uns in Deutschland die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer bei 78,5 Jahren und für Frauen bei 83,2 Jahren. Die Zeitspanne der weitgehend gesunden Jahre ist aber kürzer. Zum Teil deutlich kürzer. Jemand, der mit 60 Jahren in Rente geht, hat dann also durchschnittlich noch 12 Jahre, um einen wildes, aktiven und erfüllten Lebensabend zu verbringen. Es ist auch ein Plädoyer dafür, möglichst früh in Rente zu gehen, um noch möglichst viel davon zu haben. Die 12 Jahre sind nur eine Zahl und diese ist nicht in Stein gemeißelt. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt zunehmend an und die Älteren unter uns sind auch noch im hohen Alter fitter denn je. Fange möglichst frühzeitig an, das Leben zu leben, das deinen Vorstellungen entspricht. Wenn möglich, sogar noch vor deinem offiziellen Rentenbeginn. Du kannst ein neues Musikinstrument erlernen, dich ehrenamtlich engagieren, reisen, ein neues Projekt starten. Wenn du Glück hast, wirst du ab Beginn des sechzigsten Lebensjahren nicht nur 12, sondern noch viele, viele Jahre länger leben. Nur kannst du die Zeit, die dir dann noch bleibt, vielleicht nicht mehr in vollen Zügen genießen. Das Gedächtnis und die Augen lassen nach, das Gehen wird schwerer, das eine oder ndere Zipperlein kommt hinzu, die Energie schwindet.

Tappe nicht in die Finanzfalle!

Aufgepasst! Viele, allzu viele Menschen tappen in eine finanzielle Falle. Die stehen während ihrer aktiven Zeit „voll im Saft“, wie man so schön sagt. Sie strotzen vor Kraft und Energie, können aber nicht so leben, wie sie es gerne täten. Sie können zum Beispiel nicht mehrmals im Jahr weite Reisen unternehmen, weil nicht die Zeit – und manchmal auch nicht die finanziellen Mittel – dafür haben. Also sparen sie auf Teufel komm raus für später, um eben diese Reisen unternehmen und finanzieren zu können. Irgendwann ist es dann so weit. Sie gehen in Rente. Und was tun sie dann? Sie sparen weiter oder möchten ihr angespartes Vermögen nicht dezimieren. Also schränken sie sich ein. „Ach, die Fernreise nach Thailand ist mir momentan noch zu teuer. Man kann ja auch im eigenen Lande herumreisen“. Sie warten also und sparen weiter. Wenn sie aber ihre 12 guten Jahre verpassen, haben sie vielleicht noch mehr Geld. Jetzt werden Fernreisen aber zu einer großen körperlichen Herausforderung. Jetzt hätte man das Geld, aber nicht mehr die Möglichkeit, solche Reisen zu unternehmen.

Solltest du also in deinen besten 12 Jahren nur danach trachten, möglichst noch mehr Vermögen anzuhäufen, wirst du es später möglicherweise bereuen. Dann hast du zwar das Geld, aber nicht mehr die Möglichkeit, auf Weltreise zu gehen oder andere Dinge zu unternehmen, die dir nun aufgrund geistiger oder körperlicher Gebrechen versagt bleiben. Bitte verstehe mich nicht falsch: Selbstverständlich sollst du trotzdem für das Alter vorsorgen und auch mit deinem Geld haushalten. Schließlich muss es vielleicht noch lange reichen. Ein gewisses Vermögen im Alter ist unabdingbar, um einen schönen und aktiven Lebensabend finanzieren zu können. Aber spare nicht für eine Zeit, in der du nicht mehr genießen kannst, was man mit Geld kaufen kann. Ein neues Auto, eine Haushaltshilfe, eine Ferienwohnung in deinem Traumland, eine große Reise. Der Ruhestand sollte für dich die beste Zeit deines Lebens werden. Eine Zeit ohne Verpflichtungen. Eine Zeit, in der du tun und lassen kannst, was du willst. Und wenn du nicht sehr, sehr genügsam bist und die Stunden, Monate und Jahre nicht ständig nur mit dem Füttern von Tauben und dem Spaziergang im Stadtpark verbringen willst, brauchst du nun einmal Geld. Aber Geld allein garantiert noch keinen sorglosen, glücklichen und vor allem erfüllenden Lebensabend. Der will auch mit sinnvollen und aktiven Tätigkeiten gefüllt werden. Übrigens habe ich eine Möglichkeit gefunden, dein Vermögen für Reisen oder andere teure Hobbys auszugeben, ohne dass es nennenswert kleiner wird. Ich werde darüber mal an anderer Stelle auf meinem Blog berichten.

Vergeude die besten Jahre deines Ruhestandes nicht

Die Kernaussage von Dan`s Artikel lautet, dass die ersten 12 Jahre deines Ruhestands die besten, erfülltesten, lebendigsten Jahre deines Lebens sein sollten. Nicht die vorsichtigsten. Lieber mit 60, 65 oder 70 Jahren genussvoll, aktiv und begeistert zu leben als mit 80 ein dickes Bankkonto zu besitzen und zu bereuen, was man alles hätte tun sollen, was man jetzt nicht mehr tun kann.

Bist du in deinen sechziger Jahren? Herzlichen Glückwunsch. Du hast noch viel Zeit. Vergeude sie nicht mit belanglosen Dingen! Bist du in den Siebzigern? Auch gut. Es gibt viele Dinge, die du auch noch mit siebzig tun kannst. Vielleicht geht alles etwas langsamer. Vielleicht ist der Zenit überschritten. Aber das macht nichts. Du reist nach wie vor gerne? Es muss ja nicht gleich eine Fernreise sein. Kleinere und kürzere, dafür aber mehrere Reisen sind genauso schön und erfüllend. Fokussiere dich auf Dinge, die du jetzt noch stemmen kannst.

Habe keine Angst davor, dass dir irgendwann das Geld ausgeht, um ein Leben in Freude und Fülle zu führen. Habe lieber Angst, dass dir die Zeit ausgeht.

Überlege dir, was du in den nächsten 12 Monaten tun willst, an das du dich mit Freude auch noch in 5 oder 10 Jahren erinnern wirst. Und erstelle eine Liste mit Dingen, die du ständig vor dir hergeschoben hast. Weil das Geld fehlte, du keine Zeit hattest oder aus sonstigen Gründen. Es kann ein Buch sein, das du schon immer schreiben wolltest, eine Erfahrung, die du schon immer machen wolltest, eine Reise, die du immer wieder hinausgezögert hast. Dann suche dir eine Sache heraus, die noch dieses Jahr in Angriff nehmen willst. Nicht alle. Das wird wahrscheinlich nicht klappen. Nur eine. Das genügt. Und im nächsten Jahr knöpfst du dir wieder deine Liste vor (vielleicht hat sie sich inzwischen ja auch geändert). Dann greifst du wieder eine Sache heraus. Und das machst du jedes Jahr.

Dan Haylett warnt ausdrücklich vor der Aufschieberitis, die du an Gedanken erkennst, die so oder so ähnlich lauten könnten:

Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum

„Ich warte noch damit, bis ich genug gespart habe“.

„Momentan kann ich meine Aktien nicht verkaufen, um meine schon lange geplante Weltreise zu finanzieren. Ich warte noch ab, bis sich die Kurse wieder erholt haben“.

„Ich bin mental noch nicht bereit, auf dem Jakobsweg zu wandern. Vielleicht nächstes Jahr“.

Klar, Vorbereitung muss sein. Sie ist umso wichtiger, je größer das Vorhaben ist, das du in Angriff nehmen willst. Vergeude aber deine letzten Jahre nicht nur mit vorbereiten. Die richtige Zeit, um etwas zu tun, ist immer jetzt. Und lasse dir nicht von anderen Menschen vorschreiben, wie du zu leben hast. Nicht von deinen Kindern, nicht von deinen Enkelkindern, nicht von Bekannten und Verwandten. Du kannst mit deinem Geld und mit deiner Zeit machen, was du willst. Jetzt – im Ruhestand – mehr denn je. Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum! Jetzt!

Ich habe mich nach Kräften darum bemüht, die Essenz des Artikels von Dan Haylett herauszudestillieren. Da ich aber die Worte niemals so wiedergeben könnte, wie Dan Haylett das getan hat, verlinke ich hier auf den Originalartikel Your 12 good years. Wenn du der englischen Sprache nicht mächtig bist, kopiere den Text einfach in ein Übersetzungsprogramm wie zum Beispiel deepl.com (das ist kostenlos; du brauchst nicht mal etwas auf deinen Computer herunterzuladen) und lasse dir den Text ins Deutsche übersetzen. Lies den Artikel und du wirst eine ganz andere Sicht auf deinen Ruhestand bekommen. Garantiert!

Heinz Bleyer

Name: Heinz Bleyer
Geburtsort: Schwandorf/Opf.
Aufgewachsen in: Regensburg
Wohnort: Nürnberg
Beruf: Blogger und Autor